Ich hab jetzt auch eine Vintage-Uhr! Hab ich bei "Vinted" gekauft, oder "Catawiki" oder so... Warum sagen sie jetzt die kann man nicht reparieren?? Ist doch schließlich "vintage"!
Grundsätzlich bedeutet "vintage" erst einmal natürlich nur "gebraucht", was im Prinzip ja nicht schlecht sein muss, ist aber selbstverständlich kein Gütesiegel nach dem Motto "alt ist automatisch gut", denn "in der guten alten Zeit" war alles besser.
Das mag in gewissen Grenzen bis zum Ende der 70'er Jahre gelten, als Uhren noch mit mechanischen Uhrwerken ausgestattet waren, die bis auf einige Ausnahmen von anständiger bis sehr guter Qualität waren und auch zerlegbar und reparierbar waren, einschließlich der Versorgung mit Ersatzteilen.
Allerdings muss man sich auch darüber bewusst sein, dass eine Armbanduhr von guter Qualität damals auch einen ganz anderen Preis hatte, ein halber Monatslohn eines Arbeiters ist nicht unrealistisch. Dafür hatte man aber auch ein Produkt bekommen, das über viele Jahrzehnte bei ordentlicher Pflege und gelegentlicher Wartung seinen Dienst versehen hat. Genau DAS sind die Uhren, die heute wieder beliebt sind bei Sammlern und Nutzern und die eigentlich den Begriff "Vintage-Uhr" geprägt haben. Diese Uhren haben natürlich nach wie vor ihren Preis und sind nicht (wie damals) für jeden erschwinglich.
Eine drastische Änderung ergab sich zu Beginn der 80'er Jahre, als die Uhrwerke der aufgekommenen batteriebetriebenen (Quartz) Uhren durch technische Vereinfachung und industrieller Massenproduktion immer billiger wurden und die Märkte mit Hunderttausenden und Millionen preisgünstiger Uhren regelrecht geflutet wurden, anfangs aus Japan, später auch wie heute aus China.
Geschickte Händler, unterstützt durch einschlägige "Laber-Portale" im Internet versuchen jetzt mitunter recht erfogreich auch solche "Verbrauchs-Uhren" aus den 90'ern und späteren Jahren unter dem "Vintage-Hype" an den Kunden zu bringen.
Das ist jetzt alles in Ordnung, soweit der Kunde Spaß an seiner Anschaffung hat, er sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass er damit oft ein Produkt kauft, das von Anfang an zum "Verbrauch" vorgesehen war und meistens keine Option zur Reparatur oder Instandsetzung hat.